Liebes Tagebuch, ich verstehe die Welt nicht mehr

Seit gestern sage ich nicht viel. Ich verfolge die sozialen Netzwerke und sehe die Anteilnahme. Aber ich halte mich zurück. Eben nahm ich mein Tagebuch und schrieb es runter. Ja, ich schreibe Tagebuch. Ich war schon immer besser darin, meine Worte in Schrift festzuhalten, als sie laut auszusprechen. Außerdem hilft es mir, Dinge zu verarbeiten, wenn ich sie nieder schreibe.

14.11.2015

Liebes Tagebuch. Freitag der 13te, in der Stadt der Liebe. Makaber. Ich verstehe es nicht. Verstehe nicht, wie Menschen dazu fähig sind. Habe es noch nie verstanden.

Mein 82 jähriger Vater hat mir schon als Kind von den Geschehnissen des zweiten Weltkrieges erzählt. Wie seine Heimatstadt Berlin bombardiert und seine Freunde getötet wurden. „Du hast Apetit, keinen Hunger. Du weißt nicht, was Hunger ist.“, bekam ich oft zu hören. Tagelang musste er ohne Essen auskommen und mit wildfremden Menschen in einem winzigen Bunker um sein Leben zittern. Und warum mein liebster Vater diese Dinge erleben musste? Weil es Menschen gibt, die böse sind. Menschen, die Hass und Angst verbreiten. Menschen, die andere Menschen töten.

Und nun ist es schon wieder passiert, dass Unschuldige sterben mussten. Und plötzlich wird aus dieser kunterbunten Welt ein Ort, an dem ich nicht mehr weiß, ob ich lachen darf oder weinen muss. Ist es fair, dass ich lache, wenn in Paris auf hunderte Menschen geschossen wird? Ist es fair, wenn ich Spaß habe, während in Syrien Kinder um ihr Leben beten? Darf ich überhaupt glücklich sein, während so viele schlimme Dinge auf dieser Welt passieren?

Plötzlich erscheint alles so klein, so weit entfernt und doch so nah. Und plötzlich schaffen es diese Menschen, die voller Hass erfüllt sind, in mir Hass, Angst und Trauer auszulösen. Gefühle, die das Leben nicht mehr liebenswert machen, wo das Leben doch so schön ist. Doch die Welt dreht sich weiter. Und morgen scheint die Sonne trotzdem. x, B.

prayforparis-640x640

 

Ich dachte, dass es die passendste Möglichkeit ist, meine tiefe Erschütterung für die aktuellen Geschehnisse auszudrücken, in dem ich euch meinen Tagebucheintrag öffentlich zeige. Es sind Gefühle und Gedanken, die wahrscheinlich momentan vielen durch den Kopf gehen. Ich wollte mich eigentlich zurück halten, aber ich habe es zu oft getan.  #prayforparis

Follow:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.