Freunde kommen und gehen

Freunde kommen und gehen. Manche bleiben für immer. Manche sind schneller wieder weg, als man gucken kann. Freundschaft ist ein Thema, bei dem jeder von uns seine Erfahrungen gesammelt hat. Die einen mehr, die anderen weniger. Letztendlich müssen wir selbst wissen, mit wem man sein Leben teilen möchte und wenn man nicht zu naiv ist, weiß man auch, mit wem man es lieber nicht sollte.

Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg aufgewachsen. In meiner Kindheit wurden schon die Grundsteine dafür gelegt, mit wem ich meine ersten Jahre verbringe, weil mein ganzes Dorf in den gleichen Kindergarten ging. In der Grundschule lernte ich noch Kinder aus den Nachbardörfern kennen und letztendlich haben mich manche dieser Freunde bis zu meinem Erwachsen sein begleitet.

Als ich auf das Gymnasium kam, festigten sich einige Freundschaften. Ich hatte Freundinnen, mit denen ich alles geteilt habe. Freundinnen, die mich in und auswendig kannten. Freundinnen, mit denen ich unfassbar viel erlebt habe. Die ganzen kleinen ersten Male. Die ganzen kleinen Erfahrungen, die mich zu dem Mensch gemacht haben, der ich heute bin.

Damals hätte ich nie im Leben gedacht, dass dieses Gefühl der Vertrautheit verschwinden könnte. Bei manchen Freunden war ich davon überzeugt, wir würden noch befreundet sein, wenn wir selbst schon Kinder hätten und heute weiß ich nicht einmal, ob diese Personen noch dort leben oder was sie tun.

Im Laufe meiner Pubertät habe ich mich nach etwas Neuem gesehnt und ich hatte die Jeder-kennt-Jeden Gesellschaft satt. Ich denke mal, dass viele in ihrem Entwicklungsprozess an diesen Punkt kommen und daher hieß es für mich mit 16: Tschüss Heimat. Hallo Großstadt.

Als ich nach Hamburg gezogen bin, war alles anders. Der Unterschied zwischen Dorf und Stadt ist wirklich extrem. Plötzlich kannte ich unfassbar viele Menschen. Ich lernte jedes Wochenende neue Leute kennen und ich empfand dieses neue Leben als spannend und aufregend. Aber genauso schnell wie ich manche Menschen kennenlernte, verschwanden sie auch wieder. Es war die totale Reizüberflutung. Ich war überall „Die Neue“ und jeder kannte mich, aber ich konnte mir nicht mal von der Hälfte die Gesichter merken, geschweige denn die Namen.

In solch einer Situation ist es schwer neue Freunde zu finden. Jeder ist nett – aber nur weil jemand nett ist, heißt es nicht, dass man sich versteht. Mittlerweile lebe ich seit sechs Jahren in Hamburg und meine alte Heimat kommt mir fremd vor. Und die Freundschaften, die mich fast 16 Jahre begleitet haben, kommen mir unwirklich vor.

Ab und zu treffe ich jemanden von früher. Ich kenne deren Wesen, deren Art, deren Lachen. Ich weiß, wo Person X Narben hat, weil wir uns damals bei „Jungs fangen die Mädchen“ die Knie auf dem Schulhof aufgeschlagen haben. Ich weiß, dass die Person Y einen abgebrochenen Zahn hat durch den Kindergeburtstag im Schwimmbad. Ich weiß, dass die Person Z Horrorfilme liebt, weil wir damals jedes Wochenende zur Videothek gelaufen sind, um uns neue Filme auszuleihen. Doch heute stehen diese Personen vor mir und so viel ich auch mit diesen Personen erlebt habe, kenne ich sie nicht mehr.

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Erst nach vielen Jahren in meiner neuen Heimat, weiß ich wirklich, wer meine Freunde sind. Manche sind von damals geblieben und andere habe ich neu lieben gelernt. Manche habe ich durch die Zeit gehen gelassen und von manchen habe ich mich bewusst getrennt.

Als Teenager war es mir wichtig viele Menschen zu kennen und viele Freunde zu haben. Schnell merkt man dann aber auch, dass man Menschen in seinem Umfeld hat, die einem nicht gut tun. Menschen, denen man lieber hätte nichts anvertrauen sollen. Doch wenn man aus einer Heimat kommt, wo man jeden kennt und jedem Zweiten vertrauen kann, dann ist es schwer zu lernen, dass es woanders nicht so ist.  In den ersten Jahren in Hamburg habe ich mich selbst sehr entwickelt und verändert und wenn man aber nicht so wirklich weiß, wer zu seinem engen Freundeskreis gehört, ist das gar nicht so einfach.

Heute weiß ich, wer meine Freunde sind. Ich kenne sie in und auswendig und habe die letzten sechs Jahre unfassbar viel mit ihnen erlebt. Doch genauso wie ich mir heute niemals vorstellen könnte, dass ich mein Leben nicht mehr mit diesen Menschen teile, könnte es in 20 Jahren genauso aussehen. Freunde kommen und gehen. Aber vielleicht bleiben sie auch für immer.

xoxo, Bella Julie.

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